ZukunftLandGestalten – Bericht zur Open Government-Konferenz für ländliche Kommunen

ZukunftLandGestalten brachte an zwei aufeinanderfolgenden Nachmittagen lokale und überregionale Open Government-Expert*innen und Neugierige zu verschiedenen Aspekten und Konzepten von offenem Regierungs- und Verwaltungshandeln miteinander ins Gespräch. Was als analoges Auftakt-Barcamp bereits für April 2020 geplant war, fand nun coronabedingt am 09. und 10. Dezember 2020 als Auftakt-Onlinekonferenz statt. Ein Rückblick. 

Open Government ist eine relativ neue Herangehensweise, um mehr Bürgerbeteiligung und Transparenz in Verwaltung und Politik zu ermöglichen. Und genau das ist die Herausforderung, um für verschiedene Maßnahmen, die offenes Verwaltungs- und Regierungshandeln fördern sollen, Vertrauen zu schaffen. Wo kann Open Government eigentlich praktisch angewandt werden? Wozu braucht es dies überhaupt, wenn es bereits einen Stadtrat oder eine Gemeindevertretung gibt? Was hat es mit der gemeinwohlorientierten Digitalisierung auf sich? Was können offene Verwaltungsdaten bewirken?

Genau diese Fragen standen im Mittelpunkt der zweitägigen Online-Konferenz ZukunftLandGestalten, die im Rahmen des Fläminger Open-Government-Projekts “Alles auf offen” am 09. und 10. Dezember 2020 virtuell stattfand. Verschiedene strukturelle Herausforderungen einer Gemeinde oder Stadt können mit unterschiedlichen Konzepten aus dem Open-Government-Baukasten angegangen werden. Wie das in der Praxis funktioniert, wurde in verschiedenen Sessions vorgestellt.

An Tag 1 standen überregionale Projekte im Fokus, an Tag 2 stellten wir die verschiedenen Mitmachformate und Akteure des Fläminger Open-Government-Projekts “Alles auf offen” in Brandenburg vor. Das übergeordnete Ziel des zweijährigen Projekts ist es, die florierende Region vor den Toren Berlins als Innovations- und Lebensraum durch mehr Bürgerbeteiligung in allen Ortsteilen der Gemeinden noch attraktiver zu machen, und den Wissenstransfer zwischen Rathaus, Stadtverordnete und Gemeindevertreter*innen und der Bürgerschaft transparenter zu gestalten.

Das Konzept der gemeinwohlorientierten Digitalisierung – also eine Digitalisierung, die die kommunale Souveränität schützt – spielt dabei eine wichtige Rolle. Der Fläming als Innovationsregion und Bad Belzig und Wiesenburg als zukünftige Smart Cities eigenen sich daher als ideale Ausgangsorte, um verschiedene Aspekte des kommunalen Open Governments auszuprobieren.

Nachfolgend finden Sie die Präsentationen der Speaker*innen und eine Dokumentation der Konferenz.

 

RÜCKBLICK TAG 1

AUF KOMMUNALER EBENE GEMEINWOHL IM DIGITALEN ZEITALTER GESTALTEN – ZUKUNFTSMUSIK ODER VERPASSTE CHANCE?

Den Auftakt machten mit einem Key Talk Oliver Rack, Open Government und Open Data-Experte, Mitglied des Arbeitskreises Open Government Partnership Deutschland auf Bundesebene, und Dirk Neubauer, Bürgermeister in Augustusburg/Sachsen.

Das Gespräch wurde über ein Miroboard dokumentiert. 

OFFENE VERWALTUNGSDATEN FÜR DAS KOMMUNALE LEBEN NUTZBAR MACHEN

Eine Einführung zu Open Data, also der Bereitstellung und Nutzung von offenen Verwaltungsdaten, gaben Martin Koll, Open Knowledge Foundation DE, Leiter des OK Labs Fläming und Mario Wiedemann, Projektmanager des Smart-Country-Programms der Bertelsmann-Stiftung.

Präsentation Martin Koll
Präsentation Mario Wiedemann

MIT OPEN GOVERNMENT STRUKTURELLE HERAUSFORDERUNGEN ANGEHEN

Das Ruhrgebiet hat in den vergangenen Jahren einen einschneidenden Strukturwandel erlebt. Gründe sind u.a. das Ende des deutschen Steinkohlenbergbau und der damit verbundene Abschied von einer reinen Industrieregion. Aber auch ein neuer politischer Aktivismus mit dem Ziel des Erhalts des Hambacher Forsts, stellt die Kommunen vor neue Aufgaben. Die Gemeinde Merzenich stellt sich diesen Veränderungen mit verschiedenen Konzepten des Open Governments. Beispielsweise entstehen neue Begegnungsräume für Bürger*innen und Umweltaktivist*innen, um gemeinsam diese kommunalen Entwicklungen zu gestalten und zu steuern.

Im Rhein-Neckar-Gebiet um Mannheim setzen sich die Macher des Labors Rhein-Neckar mit der Frage auseinander, wie die 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen im höchst individuellen Kontext einer Gemeinde interpretiert und umgesetzt werden können.

Präsentation Laura Hammer, Verband Region Rhein-Neckar
– Präsentation Georg Gelhausen, Bürgermeister Merzenich (folgt)

KOMMUNALE TEILHABE UND MITBESTIMMUNG DIGITAL UNTERSTÜTZEN

Die Digitalisierung spielt eine wichtige Rolle dabei, neue Formate der Bürgerbeteiligung und damit digitale Teilhabe in Kommunen in die Breite zu bringen. Dabei müssen die Besonderheiten auf dem Land und in der Stadt berücksichtigt werden. Ist die notwendige technische Infrastruktur in den Dörfern vorhanden? Welche Bildungsangebote benötigt es, damit die Bürger*innen sich digital befähigt fühlen? Gibt es ausreichend Förderung und damit Ressourcen, um digitale Bürgerbeteiligung umzusetzen? Hier standen uns Heidrun Wuttke, Projektleiterin Dorf.Zukunft.Digital (DZD) Höxter und Klaus Walther, Fachsbereichsleiter Wirtschaft, Wissenschaft und Standortmarketing Würzburg Rede und Antwort.

Präsentation Heidrun Wuttke
Präsentation Klaus Walther

WIE KANN 2020 ZUM STARTPUNKT FÜR MEHR KOMMUNALE TEILHABE UND TRANSPARENZ WERDEN?

Kamingespräch mit Anke Domscheit-Berg, Mitglied des Deutschen Bundestages (Die LINKE) und Adriana Groh, Leiterin Prototype Fund der Open Knowledge Foundation, moderiert von Silvia Hennig, Gründerin neuland21.

Für das Abschlussgespräch des ersten Konferenztages hatte Silvia Hennig, Gründerin von neuland21, Anke Domscheit-Berg und Adriana Groh geladen. Anke Domscheit-Berg prägt als Politikerin und Digitalexpertin den politischen Diskurs und die öffentliche Diskussion zur Digitalisierung in Deutschland.

Adriana Groh ist Leiterin des Prototype Funds, einem gemeinnützigen Projekt zur Förderungen neuer Ideen im Bereich Civic Tech und deren Entwicklung von Open-Source-Tools Anwendungen. Mit den beiden Digitalpionierinnen ging Silvia Hennig der Frage auf den Grund, wie 2020 zum Startpunkt für mehr kommunale Teilhabe und Transparenz werden kann?

Die Zusammenfassung des Gesprächs ist auf dem Miroboard nachzulesen.

 

RÜCKBLICK TAG 2

WIE GESTALTET SICH OPEN GOVERNMENT IM FLÄMING?

An Tag 2 wurde dann die Arbeit von “Alles auf offen” in Bad Belzig und Wiesenburg, sowie lokale Initiativen vorgestellt. Das kommunale Open Government-Projekt bietet neue Mitmachformate, bei denen sich Bürgerinnen und Bürger, aber auch Mitarbeitende der Verwaltung und zivilgesellschaftlichen Organisationen mit ihrem lokalem Wissen gezielt einbringen können. Dafür stehen derzeit zunächst drei Labore zu den Themen Demokratie, Umwelt und Freizeit zur Verfügung. Welche lokalen Herausforderungen gibt es in diesen drei Bereichen, für die kollaborativ niederschwellige Lösungen – auch digital- und datenunterstützte – kurzfristig umgesetzt werden können? In regelmäßigen Abständen treffen sich dazu Bad Belziger und Wiesenburger, um Ideen und Lösungsansätze zu diskutieren.

Wie die Mitmachformate funktionieren, lesen Sie hier

Präsentation Diana Krebs, Projektkoordinatorin “Alles auf offen – Das Fläming-Labor für Transparenz und Beteiligung”, neuland21 e.V.

KOMMUNALE JUGENDBETEILIGUNG – NICE TO HAVE ODER HÖCHSTE ZEIT?

Nora Görisch und Florian Görner von der Initiative “Demokratie leben | Hoher Fläming” stellten das Ergebnis einer Umfrage mit Kindern und Jugendlichen in Bad Belzig vor, wie diese sich kommunale Beteiligung wünschen und wie es angegangen werden kann, damit Städte wie Bad Belzig die jüngere Generation in ihre Entscheidungsprozesse mit berücksichtigen.

– Präsentation Nora Görisch und Florian Görner

WIE SICH VEREINE UND DAS LOKALE EHRENAMT IN DER KRISE NEU AUSRICHTEN

Vereine und Ehrenamt vor Ort sind wichtige Bausteine für die kommunale Daseinsvorsorge und den Zusammenhalt der Bürgerschaft. Doch jetzt in der Pandemie fallen wichtige Sport- und Bildungsangebote weg. Auch ehrenamtliche Arbeit wie beispielsweise Nachbarschaftshilfe wird in diesen Zeiten ein Gesundheitsrisiko für alle Beteiligten. Wie navigieren sich Vereine und Ehrenamtliche durch diese Zeit? Und mit welchen strukturellen Herausforderungen hatten sie bereits vor Corona zu kämpfen? Können digitale Tools helfen? Stephanie Kuntze, stellvertretende Bürgermeisterin der Gemeinde Herzberg/Brandenburg, lieferte uns hier spannende Einblicke, wie die Kommune mit den Vereinen die ehrenamtliche Arbeit neu ausrichten.

Präsentation Stephanie Kuntze

GEMEINWOHLORIENTER ALGORITHMENEINSATZ IM KOMMUNALEN KONTEXT

Julia Gundlach von der Bertelsmann-Stiftung stellte uns den Nutzen von gemeinwohlbasierten Algorithmen im kommunalen Kontext am Beispiel der Kitaplatzvergabe vor. Die Kitaplatzvergabe ist ein wichtiger Faktor, um Kindern aus allen sozialen Schichten einen guten Start in eine gleichberechtigte Gesellschaft zu ermöglichen. Die Praxis jedoch zeigt, dass die Vergabe von Kitaplätzen häufig auf Basis von persönlicher Präferenz, vorhandenen Netzwerken oder sozialem Status erfolgt. Die algorithmengesteuerte Vergabe soll hier den häufig unbewussten Vorurteilen (“unconscious bias”) entgegensteuern.

– Präsentation Julia Gundlach

DISKUSSION: WELCHES SMART VILLAGE WOLLEN WIR?

Den Abschluss dieser Konferenz machte eine virtuelle Bürgersprechstunde mit den Bürgermeistern Marko Beckendorf aus Wiesenburg und Roland Leisegang aus Bad Belzig. Im Mittelpunkt stand die Frage, welches Smart Village sich die Bürger*innnen gerne wünschen. Da sich der Fläming immer mehr zur digitalen Wissensregion entwickelt, ist es wichtig, die Bürger*innen für die digitale Ausrichtung der Region so früh wie möglich ins Boot zu holen. Wenn Digitalisierung als Chance für mehr Lebensqualität gesehen wird, welche Ideen und Themen möchten die Bürger*innen angegangen sehen?

Eine Zusammenfassung des Gesprächs finden Sie auf dem Miroboard. 

 

Alle Sessions wurden auf einem Miroboard dokumentiert.

Bei Fragen zur Konferenz oder den “Alles auf offen”-Mitmachformaten, wenden Sie sich bitte an Frau Diana Krebs: diana.krebs@neuland21.de

Die Termine zu den Themenlaboren, dem OK Lab Fläming und dem CoderDojo finden Sie hier (bis auf Weiteres finden alle virtuell statt).