Umfrageergebnisse: Unser Arbeitsalltag im Fläming in Zeiten von Corona

Homeoffice und mobiles Arbeiten spielen seit Beginn der Corona-Krise im Frühjahr 2020 eine wachsende Rolle in der Arbeitswelt. Wir haben uns gefragt, wie das im ländlichen Raum aussieht und von Oktober bis Dezember 2020 eine Umfrage in der Brandenburger Region Fläming durchgeführt. Im Folgenden finden Sie eine Zusammenfassung der Ergebnisse.

Homeoffice ist als Arbeitsmodell aufgrund von Corona allgegenwärtig und wird lebhaft diskutiert und studiert. Der aktuelle Beschluss des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales vom 20. Januar, demzufolge Arbeitgeber ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern derzeit Homeoffice anbieten müssen, wenn nichts zwingend dagegen spricht, verstärkt den Rückzug vom Arbeitsplatz an den heimischen Schreibtisch zusätzlich.

Mittlerweile gibt es zahlreiche Studien über die Vorteile und Herausforderungen von Homeoffice und mobiler Arbeit. Alle zeichnen ein ähnliches Bild: Homeoffice bringt eine höhere Arbeitszufriedenheit mit sich und ermöglicht, zum Beispiel durch die leichtere Vereinbarkeit von Beruf und Familie, eine verbesserte Work-Life-Balance. 

In den Befragungen zeigt sich eindeutig, dass der Trend weg von der Präsenzkultur hin zu mehr Flexibilität bei der räumlichen und zeitlichen Gestaltung des eigenen Arbeitsalltags geht. Nach Umfrageergebnisse vom Verband der Software-, Informations- und Kommunikations-Industrie in Berlin und Brandenburg (SIBB, Dezember 2020) möchten sich etwa drei Viertel der Befragten bei der Wahl ihres Arbeitsortes nicht mehr auf eine Möglichkeit festlegen, sondern bevorzugen eine hybride Lösung aus Arbeiten am heimischen Schreibtisch und im Büro. 

Wir haben uns gefragt, welcher Arbeitsalltag derzeit den ländlichen Raum prägt und von Oktober bis Dezember 2020 eine Umfrage in der Brandenburger Region Fläming durchgeführt. In der Gegend leben viele Berufspendlerinnen und -pendler: Rund 38 Prozent der Befragten nehmen eine Fahrtzeit zur Arbeit zwischen 45 und 60 Minuten in Kauf. Die Organisations- und Unternehmenslandschaft setzt sich überwiegend aus klein- und mittelständische Betriebe des Handwerks und des Dienstleistungsgewerbes zusammen. 

Die folgenden Ergebnisse beruhen auf insgesamt 129 ausgewerteten Fragebögen. 

 

Die vollständige Auswertung der Umfrage können Sie sich hier als PDF herunterladen.

 

Homeoffice ist im Fläming angekommen – die überwiegende Mehrheit ist zufrieden 

Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer unserer Umfrage gaben an, dass Homeoffice für sie keine Ausnahme mehr darstellt.

Dabei zeigt sich, dass sich die Zahl derjenigen, die täglich zuhause arbeiten, im ersten Lockdown nahezu verdreifacht hat. Zum Zeitpunkt unserer Befragung arbeitete über die Hälfte der Befragten noch mindestens drei Tage in der Woche im Homeoffice.

Über 85 Prozent sind zufrieden mit der Arbeit am heimischen Schreibtisch. Und je regelmäßiger im Homeoffice gearbeitet wird, desto höher fällt die Zufriedenheit aus. Unsere Ergebnisse bestätigen damit das Bild anderer Studien, z.B. der Fraunhofer-FIT-Umfrage, derzufolge die Zufriedenheit im Homeoffice bei 90 Prozent liegt (Fraunhofer FIT, Stand Juli 2020). Offensichtlich überwiegen für die meisten die Vorteile, die diese Arbeitsweise bietet.

Größter Vorteil im Homeoffice: wegfallende Pendelzeiten

In unserer Befragung zeigt sich ein deutlicher Zusammenhang zwischen der Zufriedenheit im Homeoffice und der Reduktion von Pendlerzeit – der meistgenannte Vorteil von Homeoffice. Im Fläming legen viele Pendlerinnen und Pendler überdurchschnittlich lange Streckenzeiten von einer Stunde und mehr zum Arbeitsort zurück und zwar hauptsächlich mit dem eigenen PKW als Verkehrsmittel. Die Ergebnisse der Online-Umfrage zeigen, dass sich die täglichen Pendlerbewegungen im Lockdown (März-Juni) halbiert haben. 

Zu den weiteren häufig genannten Vorteilen gehören eine selbstbestimmte Tagesplanung und -organisation sowie natürlich die Sicherung vor Ansteckungen. 52 Prozent der Befragten gaben die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie als positives Element des Homeoffice an. 38 Prozent schätzen zudem die flexibleren Möglichkeiten Sport zu treiben, 35 Prozent am Wohnort Besorgungen erledigen zu können und 17 Prozent einem Ehrenamt nachzugehen. Die Vorteile des Homeoffice liegen somit klar auf der Hand: Beschäftigte sparen lange Arbeitswege und können durch eine eigenständigere Zeiteinteilung Arbeit und Privatleben besser aufeinander abstimmen.

Als klare Nachteile des Homeoffice sehen 60 Prozent der Befragten den fehlenden persönlichen Kontakt und Austausch mit dem eigenen Team und 30 Prozent eine unzureichende Trennung zwischen Arbeit und Privatleben.

Hier könnten Coworking-Strukturen zukünftig besonders an Relevanz gewinnen. Sie ermöglichen einerseits eine klare räumliche Trennung zwischen Arbeitsort und den eigenen vier Wänden, und bieten andererseits eine community aus anderen mobil arbeitenden Menschen aus der Region. Bislang ziehen allerdings nur 5 Prozent der Befragten einen Coworking Space für sich als potentiellen Arbeitsort in Betracht. Kommt die Option dennoch in Frage, sind den Befragten dort insbesondere die Möglichkeit vertraulich telefonieren zu können, ruhige Arbeitsräume und eine zeitlich flexible Nutzbarkeit der Räumlichkeiten wichtig. 

Ein Blick in Zukunft 

Wagt man einen Blick in die Zeit nach der Corona-Pandemie, so zeigt sich, dass die Mehrheit der Befragten das mobile Arbeiten auch in Zukunft nicht missen möchte. Der Wunsch nach mehr Flexibilität bezüglich Arbeitszeit und -ort ist groß – Hybridmodelle rücken dabei besonders in den Fokus. Unsere Umfrageergebnisse belegen hierbei auch auf dem Land einen Trend hin zu mobilen und flexiblen Arbeitsformen, der bislang überwiegend städtischen Räumen zugeschrieben wurde. 

Die vollständige Auswertung der Umfrage können Sie sich hier als PDF herunterladen.


Quellen:

Fraunhofer FIT (2020): Fraunhofer-Umfrage „Homeoffice“: Ist digitales Arbeiten unsere Zukunft?

SIBB e.V. (2020): Umfrageergebnisse zur exklusiven SIBB Umfrage: Büro oder Homeoffice

Autorin: Janine Hoelzmann