PopUp Prignitz – Agentur für Freiräume

Über das Aufspüren und Lebendigmachen von Leerständen in ländlichen Räumen. Vorstellung unserer neuen Zwischennutzungsagentur PopUp Prignitz

Während vielerorts Kreative, Kulturschaffende, Selbstständige, Startups und Vereine nach günstigem Raum suchen, ist in der Prignitz im Nordwesten Brandenburgs nach über 30 Jahren Abwanderung und Bevölkerungsschwund durch den demographischen Wandel viel leerstehender Raum vorhanden. Die Prignitzer Wohnungs- und Ladenleerstandsquoten von bis zu 20% gehören derzeit zu den höchsten in Brandenburg.

Doch das muss nicht so bleiben! Einige Prignitzer Städte haben in den letzten Jahren ein proaktives Leerstandsmanagement entwickelt und fördern Projekte, die den Prozessen des Bevölkerungsschwunds entgegenwirken und die Region wieder attraktiv für Zuzug machen. Hier setzt auch die Zwischennutzungsagentur PopUp Prignitz an, die im Herbst 2021 von neuland21 und dem TGZ Prignitz ins Leben gerufen wurde.

Zwischennutzungsagenturen erwecken Leerstände zu neuem Leben

Leerstände um- und temporär zwischenzunutzen ist kein neues Phänomen. Doch erst seit den letzten Jahrzehnten werden Zwischennutzungen nicht mehr nur toleriert, sondern als gezielte Instrumente der nachhaltigen Quartiers- und Stadtentwicklung eingesetzt. Heute wird meist dann von Zwischennutzung gesprochen, wenn eine Freifläche, sei es ein Wohnungs- und Ladenleerstand oder eine Brachfläche zeitlich befristet zu nicht marktüblichen Konditionen genutzt wird. Häufig kann Leerstand nicht genutzt werden, da Eigentümer:innen und potenzielle Nutzer:innen einander nicht begegnen oder Vorbehalte von Seiten der Eigentümer:innen bestehen. Dies zu ändern, ist Aufgabe von Zwischennutzungsagenturen. Sie suchen und bewerten Leerstände, kommunizieren mit den Eigentümer:innen, finden Nutzer:innen, erarbeiten Nutzungskonzepte und unterstützen bei der Klärung rechtlicher Fragen.

Projektaufruf “Post-Corona-Stadt” fördert Ideen und Konzepte für eine resiliente Stadtentwicklung

Im Rahmen der Nationalen Stadtentwicklungspolitik fördert das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat (BMI) unter dem Projektaufruf „Post-Corona-Stadt: Ideen und Konzepte für die resiliente Stadtentwicklung“ 17 Pilotprojekte, die angesichts der Covid-19-Pandemie innovative Lösungen für krisenfeste Stadt- und Quartiersstrukturen erproben. Denn durch die Corona-Pandemie haben die städtischen Veränderungsprozesse an Geschwindigkeit gewonnen. Der Einzelhandel vor Ort verliert vielerorts Kund:innen, oftmals werden aufgrund der Abstandsregeln größere Räumlichkeiten benötigt und es bedarf neuer Raumkonzepte, um Innenstädte als Orte der Begegnung zu erhalten.

PopUp Prignitz macht Freiräume in der Prignitz für neue Ideen zugänglich

Im Rahmen dieses Projektaufrufs wird auch PopUp Prignitz gefördert. Ziel des Projekts ist es, die zahlreichen Freiräume der Prignitz sichtbar und nutzbar zu machen und damit die Region nicht nur resilienter gegenüber der Pandemie aufzustellen, sondern auch über die aktuelle Krisensituation hinaus Belebung und Bereicherung zu fördern. Dabei wollen wir die Leerstände in der Prignitz nicht als Mangel, sondern als Potenzialraum begreifen: „In einer Zeit, in der „Platz“ zu einem hohen Gut avanciert ist, wollen wir die einstigen Nachteile in Standortvorteile umwandelt“, so Jens Knauer vom TGZ. PopUp Prignitz soll die Freiräume der Prignitz sichtbar, buchbar und nutzbar machen, um Kunst- und Kulturangebote sowie Kreativschaffende zu fördern, das Vereinsleben und gesellschaftlich-soziale Angebote krisenfester zu gestalten, den neuen Arbeitsalltag von Heimarbeiter:innen und Pendler:innen mit temporären Arbeitsplätzen vor Ort zu entlasten, neuen Angeboten des Einzelhandels und der Nahversorgung die Ansiedlung in den Innenstädten zu erleichtern und letztlich auch Zuzug in die Region zu fördern.

Dazu wollen wir Leerstände, Flächen und Veranstaltungsräume in der Prignitz systematisch erfassen und diese über eine digitale Plattform potenziellen Nutzer:innen öffentlich anbieten. Wir sehen uns dabei in einer Vermittlungsfunktion zwischen Städten und Kommunen, Eigentümer:innen sowie potenziellen Nutzer:innen und wollen Initiativen wie die Elblandwerker*, die vor Ort bereits Netzwerke ausgebaut, wertvolle Strukturen angelegt und Zwischennutzungen durchführen, sowie die Bürger:innen aus der Region, von Anfang an kooperativ einbinden.

Interaktive Workshops zur Mitgestaltung

Im ersten Projekt-Baustein wollen wir nutzbare Leerstände und Flächen erfassen und für bestimmte Arten von Zwischennutzungen kategorisieren. Umsetzbar erscheinen uns derzeit Zwischennutzungen rund um temporäres Wohnen, Pop-up-Stores für Einzelhandel, Startups, Gastronomie und Dienstleistungen, temporäre Arbeitsplätze sowie Nutzungskonzepte für Vereine, Initiativen und Kreativschaffende. 

Dazu haben wir Ende November 2021 die ersten zwei Design-Thinking-Workshops durchgeführt, in denen wir mit Szene-Expert:innen, Vordenker:innen, Interessierten sowie Institutionen, Akteuren und Privatpersonen vor Ort an der Frage arbeiteten, welche Potenziale für Zwischennutzungen in der Region bestehen und wie wir bei der Umsetzung derselben unterstützen können. Im ersten Workshop haben wir an konkreten Möglichkeiten in den Bereichen flexibler Arbeitsplätze und Coworking gearbeitet und im zweiten Workshop diskutiert und überlegt, wie Leerstände durch die Bespielung mit unterschiedlichen Pop-Up-Konzepten belebt werden können. Das positive Feedback der Teilnehmenden hat uns viel Motivation für die Umsetzung der Agentur gegeben: “Das ist gelebte Baukultur. Ich freue mich sehr über dieses Projekt!” (Teilnehmerin). Die Ergebnisse der Workshops fließen direkt in unsere zukünftige Arbeit und die Programmierung der Plattform ein, die bereits im Frühling 2022 live gehen soll.

Im Januar und Februar 2022 werden nochmals Workshops zu Zwischennutzungen in den Bereichen Kunst & Kultur, Wohnen und Raum für Ehrenamt & Vereine stattfinden. Alle, die  Interesse daran haben, sich zu beteiligen, sind herzlich dazu eingeladen, sich per Mail bei Felicitas Nadwornicek, Projektkoordinatorin bei neuland21, per Mail anzumelden: felicitas.nadwornicek@neuland21.de 

Auch über Hinweise, Fragen oder Anmerkungen zum Projekt freuen wir uns jederzeit!