Offene Verwaltungsdaten vom Land gibt’s nicht? Und ob! – Eine Zwischenbilanz des Projektes “OpenDataLand”

In der Open-Data-Gemeinschaft scheint man sich einig zu sein: Offenen Daten sind etwas Städtisches. Die Forschung beschäftigt sich fast ausschließlich mit Open-Data-Projekten aus Großstädten [1] und die EU spricht von einer „ländlichen Datenlücke“ [2]. Doch stimmt es wirklich, dass öffentliche Verwaltungen aus ländlichen Regionen keine Daten über Internetportale frei zur Verfügung stellen? Und falls ja, warum?

Mit diesen Fragen haben wir uns im Projekt „OpenDataLand“ aufgemacht und die ländliche Open-Data-Landschaft genauer erforscht. Am Anfang stand die umfangreiche Internetrecherche nach Daten-Portalen von Gemeinden und Landkreisen, die zwei Kriterien der Ländlichkeit erfüllen mussten:

  1. Kommunen unter 50.000 Einwohner:innen und
  2. Kommunen und Landkreise, die laut Thünen-Landatlas [3] als ländlich klassifiziert sind.

Wir konnten 165 Portale ausfindig machen, von denen 104 in Landkreisen und 61 in Gemeinden verortet sind. Besonders verbreitet sind Geoportale, als die wir 96 der 165 Portale klassifiziert haben. Wo die ländlichen Kommunen und Landkreise liegen, die Ihre Daten bereits zur Verfügung stellen, zeigt die Karte auf unserer Projekthomepage anschaulich.

Es fiel jedoch auf, dass bei der Bereitstellung der Daten zwar internationale Standards zur Maschinenlesbarkeit größtenteils eingehalten werden, die Daten aber häufig weder einheitlich benannt noch aktuell sind und nur sehr wenige Datenkategorien zu finden sind.

Um zu verstehen, warum die Qualität der Datenbereitstellung nicht immer gewährleistet ist, und welche Herausforderungen die Kommunen und Landkreise bei Open Data wahrnehmen, haben wir Interviews mit den jeweiligen Verantwortlichen geführt. Hierbei wurde darauf geachtet, dass Landkreise und Kommunen einbezogen werden, die unterschiedlich weit mit Open Data vorangeschritten sind. Die Interviews haben gezeigt, dass:

  1. viele Datenbestände analog vorliegen und noch digitalisiert werden müssen,
  2. kleine Kommunen kaum technisch und rechtlich geschultes Personal für Open Data besitzen,
  3. Daten nur zögerlich hochgeladen werden, wenn nichts über die potenziellen Nutzer:innen bekannt ist.

Gleichzeitig wurde deutlich: Wo ein Wille ist, findet sich auch ein Weg! Ländliche Kommunen und Kreise, die sich bewusst für ein Portal entschieden hatten, waren nicht nur stolz auf das Ergebnis und überrascht über die Nachfrage, sondern entdeckten auch Vorteile einer zentralen Datensammlung für die eigene Verwaltung. Um es mit den Worten von zwei Interviewten zu sagen: 

“Es war ein riesiger Bedarf für diese Daten schon ewig da, aber erst als wir uns darum gekümmert haben, haben wir das gemerkt.”

“Es war technisch machbar und wir wollten es. Wenn wir immer erst alle Fragen würden, dann hätten wir nie unser schönes Portal bekommen.”

Open Data in ländlichen Räumen steht somit womöglich noch am Anfang seiner Entwicklung, kann jedoch – das haben uns die Vorreiter bewiesen – sein volles Potenzial in den kommenden Jahren entfalten. Dazu wollen wir beitragen, indem wir in der aktuellen Phase des Projektes “OpenDataLand” an Lösungsstrategien für die genannten Herausforderungen arbeiten.

 

Referenzen:

[1] Siehe bspw.:

Janssen, Marijn; Charalabidis, Yannis; Zuiderwijk, Anneke (2012): Benefits, Adoption Barriers and Myths of Open Data and Open Government. In: Information Systems Management 29 (4), S. 258–268.

Susha, Iryna; Zuiderwijk, Anneke; Janssen, Marijn; Grönlund, Åke (2015): Benchmarks for Evaluating the Progress of Open Data Adoption. In: Social Science Computer Review 33 (5), S. 613–630.

Susha, Iryna; Zuiderwijk, Anneke; Charalabidis, Yannis; Parycek, Peter; Janssen, Marijn (2015): Critical Factors for Open Data Publication and Use: A Comparison of City-level, Regional, and Transnational Cases. In: JeDEM 7 (2), S. 94–115.

[2] data.europa.eu; letzter Zugriff: 16.07.2020

[3] karten.landatlas.de; letzter Zugriff; 16.07.2020