Die Berliner Digitalmesse – so ländlich wie nie!

Konferenz

Die Berliner Digitalmesse – so ländlich wie nie!

#rp19-Rückschau

Es ist soweit. Der Trend zum Land ist an den urbansten aller urbanen Orte vorgedrungen: die re:publica. Auf der riesigen Digitalkonferenz, die vom 5.-7. Mai 2019 in der Station Berlin stattfand, wurden von Agilität bis AgTech, von Fake News bis Flugtaxis und von Urheberrecht bis IoP (Internet of Plants!) auch wieder alle Digitaltrends besprochen, die Gesellschaft und Politik gerade umtreiben. Dabei ging es in diesem Jahr erstaunlich viel um das Neue Landleben und die Digitalisierung des ländlichen Raums.

Weil aber nicht jeder die Zeit (oder die Lust) hat, drei Tage unter der Woche mit Tausenden Digitalafficionados in Berlin rumzuhängen, um sich über soziale und technologische Trends im ländlichen Raum zu informieren, haben wir das mal für euch übernommen.

Von den dutzenden spannenden re;publica-Beiträgen, in denen es sich um digitale Innovationen und neue Lösungsansätze für den ländlichen Raum gedreht hat, haben wir das Wichtigste zur Konferenz in diesem Blogbeitrag für euch zusammengefasst.

Übrigens: Auch neuland21 war dieses Jahr erstmalig im Konferenz-Programm vertreten. Über das, was in unseren Sessions, Panels und Meetups so los war, berichten wir in einem eigenen Blogbeitrag.

Smartes Land – auf vielen Bühnen

Besonders interessant – und mit knapp 300 Konferenzteilnehmer von allen Sessions zum Thema mit am besten besucht – war das “Stadt, Land, …”-Panel. Hier hatte unsere Gründerin, Silvia Hennig, Gelegenheit mit der Bundestagsabgeordneten Anke Domscheit-Berg, der Autorin und Regionalentwicklerin Eleonore Harmel und dem Leiter des Bucerius Labs der ZEIT-Stiftung Daniel Opper über den neuen Trend “Raus aufs Land!” und die Innovationschancen für die ländlichen Räume zu diskutieren. Moderiert wurde die Diskussion von Lena Buck vom Netzwerk Zukunftsorte. Mehr Details könnt ihr hier nachlesen

In eine ganz ähnliche Richtung wie das “Stadt, Land, …”-Panel ging auch die Session Smart Country Brandenburg – neue digitale Orte entdecken. Kein Wunder, denn auch da saßen mit Annette Ochs, Mitgründerin von Happy Locals aus der Uckermark, Andreas Krüger vom Projektbüro Belius und Linda Ellen Kokott, Co-Gründerin des Walden, drei kreative Macher aus dem Berlin-Brandenburger Raum auf der Bühne. Moderiert wurde von Till Meyer, Cluster-Manager für IT, Medien und Kreativwirtschaft in Berlin und Brandenburg.

Die Diskussion drehte sich vor allem um innovative und digitale Orte und all die Infrastrukturen, die in Brandenburg noch immer fehlen zum Glücklichsein – für die Einheimischen, aber auch für die Zuziehenden: Gastwirtschaften, Coworking Spaces, neue Zugänge zur Natur, vielleicht brauche es auch eine Brandenburger Späti-Bewegung, so die Überlegungen der Panelisten. Am wichtigsten – und da waren sich alle einig – seien aber integrative und inspirierende Gemeinschaften, die solche Orte schaffen, erhalten und beleben. Ein schönes Gespräch mit sehr kraftvollen Zukunftsvisionen, die in der letzten Fragerunde hervorgekitzelt wurden.

Wie man schnell und unkompliziert einfache digitale Lösungen für Alltagsprobleme auf dem Land entwickeln kann, demonstrierten die beiden Studenten Daniel Geiger und Jonas Wagner von der Hochschule der Medien in Stuttgart in ihrem Talk Smart Villages – Digitalisierung auf dem Land. Im Rahmen ihres Master-Projekts überlegten sie, wie man älteren Menschen mit altersgerechten digitalen Lösungen wieder mehr persönliche Mobilität verschaffen könnte.

Anschaulich berichteten sie anhand einer älteren wenig mobilen Dame in einer schwäbischen Kleinstadt, mit welchen Problemen die Bewohner vieler ländlicher Gemeinden täglich konfrontiert sind, und wie man basierend auf einem nutzerzentrierten Design-Prozess mit praktischen digitalen Lösungsansätzen darauf reagieren kann. Dabei betonten die beiden Studenten, dass es nicht darum gehen könne, Lösungen lediglich für den Eigenbedarf zu entwickeln und nur lokal umzusetzen – schließlich hätten viele Orte im ländlichen Raum ähnliche Probleme. Sie riefen deshalb dazu auf, Kräfte zu bündeln, sich auszutauschen und gegenseitig mit Ideen und praktischen Lösungen zu unterstützen.

Ganz in diesem Sinne haben sie für die Verbreitung ihres Innovationsansatzes und des dazugehörigen Prozesses die Plattform meindigitalesdorf.de aufgebaut, auf der die Methodik für Nachahmer aufbereitet ist. Die Website soll interessierten lokal Engagierten Werkzeuge in die Hand geben und den überregionalen Austausch ermöglichen. Das Problem der älteren Dame wollen Daniel Geiger und Jonas Wagner übrigens mit einem einfachen Knopfdruck lösen: ihr Rollator wird mit einem Gerät ausgestattet, das das Dorftaxi per Knopfdruck an ihren Standpunkt ordern kann. So kann die alte Dame auch ohne Smartphone mobil sein.

Und damit all die digitalen Macher und Kreativen ihre innovativen Projekte auch tatsächlich umsetzen können, setzte auch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) mit seiner Session “Wir sehen Land: digital! Querdenker und Startups für ländliche Regionen” ein Zeichen. Das Ministerium informierte über Fördermöglichkeiten im Rahmen des Bundesprogramms Land.digital, das Startups und Innovationen aufs Land bringen möchte.

Lokaljournalismus 4.0

Im Panel Ländlich, digital, sucht: Versorgung mit Infrastruktur und Medien im Lokalen ging es um das Ende und den möglichen Neuanfang des ländlichen Lokaljournalismus im digitalen Zeitalter. Eingangs wurde festgestellt: der ländliche Raum ist zunehmend von einer lokalen Medienarmut betroffen. Während einerseits die Auflagen gedruckter Zeitungen stetig zurückgingen, während gleichzeitig noch nicht überall Onlinemedien in ausreichendem Maße und ausreichender Qualität vorhanden oder zugänglich seien. So bestünde die Gefahr, dass “weiße Flecken” entstünden – also Orte, an denen Menschen gar keinen Zugang mehr zu für die Region relevanten Informationen hätten. Ziel sei es, dem entgegenzuwirken und vielmehr die Chancen der Digitalisierung für die Medienvielfalt im ländlichen Raum zu nutzen.

In der von Sebastian Pähler (Magazin “Was mit Medien”) moderierten Podiumsdiskussion sprachen anschließend Hendrik Fischer (Staatssekretär im Ministerium für Wirtschaft und Energie Brandenburg (MWE)), Ariane Sept (Wissenschaftlerin am Leibniz-Institut für Raumbezogene Sozialforschung e.V.), Marco Plein (Redakteur bei Focus Online) und Ursula Weidenfeld (freie Journalistin und Kolumnistin und Mitglied des Medienrats der mabb) über Lokaljournalismus im ländlichen Raum und wie die Digitalisierung damit zusammenhängt.

Einig war man sich darin, dass der Bedarf und die Anfrage nach lokalen Informationen groß und berechtigt ist. Es dürfe nicht dazu kommen, dass es Regionen gäbe, in denen keine professionellen lokalen Medien mehr verfügbar und die Menschen quasi vom öffentlichen Diskurs ausgeschlossen seien. Marco Plein stellt fest, dass der Medienkonsum allgemein anspruchsvoller geworden sei, was diesen Trend noch befördere. Es brauche deshalb mehr Mut, lokalen Online-Journalismus zu betreiben.

Auch Ursula Weidenfeld ist sich sicher, dass die Digitalisierung neue Möglichkeiten für journalistische Projekte bietet, nur sei gerade hier ein gute Startförderung elementar, auch um zu vermeiden, dass staatliche Institutionen selbst journalistisch tätig würden. Hendrik Fischer stellt fest, dass es lange gebraucht habe, bis in der Politik erkannt wurde, dass die Digitalisierung ein gesamtgesellschaftliches Thema sei. Mehr und mehr Gemeinden würden jetzt aber doch die Chancen darin erkennen, mit den neuen digitalen Werkzeugen die Geschichte des Ortes (weiter-) zu schreiben.

Jetzt müssten die geplanten Investitionsprogramme für Infrastruktur und Breitband umgesetzt sowie in der nächsten Legislaturperiode neue Wege für Förderungen gefunden werden. Die existierenden Programme, so Fischer, passten teilweise noch nicht zu den aktuellen Anforderungen. Ariane Sept betonte abschließend, dass die analoge Kommunikation enorm wichtig bleibe: Es brauche weiterhin und wieder physische Orte an denen man sich treffen kann. Solche analogen und dezentral verteilten Orte könnten durch die Digitalisierung neue Aufmerksamkeit bekommen.

E-Health …

Auch dieses Jahr hatte die re;publica wieder zahlreiche Sessions und Panels aus dem Bereich der digital gestützten Gesundheitsversorgung zu bieten. Besonders spannend war hier das Podium “Arzt oder App? – Wem traue ich?”. Dabei ging es darum, wie sich das Arzt-Patienten-Verhältnis im digitalen Zeitalter entwickeln könnte (und sollte), welche Anwendungen möglich und sinnvoll sind, und welche Hürden für deren Übertragung in die wortwörtliche Praxis noch zu nehmen sind.

Interessant war hier die Feststellung, dass Gesundheits-Apps noch viel zu oft isoliert entwickelt werden. Die Feststellung der Moderatorin, dass Ärzte keine ITler seien, wurde prompt gekontert mit: Ja, aber ITler seien eben auch keine Ärzte! Nur bei 30% der derzeit verfügbaren Apps seien Ärzte an der Entwicklung beteiligt gewesen – entsprechend schwierig sei oft die Integration in den Praxisalltag und die Regelversorgung der Patienten. Gleichzeitig wurde angemerkt, dass Anwendungen, die bspw. von Fachgesellschaften auf Basis der neuesten medizinisch-wissenschaftlichen Erkenntnisse entwickelt würden, oft noch großen Nachholbedarf in Sachen nutzerfreundliches UX-Design hätten. Man war sich einig: praxisnahe IT-Anwendungen müssen viel stärker als bisher gemeinsam entwickelt werden.

Trotz dieser Schwierigkeiten berichteten die Diskutanten auch von zahlreichen Apps, die schon jetzt auf dem Markt oder in der Entwicklung seien und zeitnah spürbare Verbesserungen für Patientinnen und Patienten, etwa im Management von chronischen Krankheiten wie Migräne oder Rheuma, bewirken könnten. Problematisiert wurde, dass bislang zu wenige App-Entwickler und Startups im E-Health-Bereich sich tatsächlich um die Zulassung ihrer Entwicklungen als Medizinprodukte bemühen oder sich gar an klinischen Studien beteiligen – eine klare Frage der (Re-)Finanzierungsmöglichkeiten von E-Health-Startups, die bislang aus verschiedenen Gründen noch suboptimal sind.

Die ganze Diskussion samt den sehr anregenden Publikumsfragen ist absolut sehenswert und hier abrufbar.

 

Innovative Mobilität …

Niemand, der es noch nicht wüsste, aber wir wiederholen es hier einfach nochmal: Die Verkehrswende ist dringend notwendig! Der Umwelt zuliebe, aber auch den Menschen, die täglich auf wenig umweltfreundliche Mobilitätsformen angewiesen sind, weil uns der Mut und der Wille für einen systemischen Wandel scheinbar noch fehlen! Wie es anders gehen könnte – und wie vielleicht auch nicht – wurde in der Session Mobil mobil? Die Mobilität der Zukunft ist mehr als ein digitales Roadmovie! diskutiert. Anschauen und nachhören empfohlen!

Richtig wichtig fanden wir im Bereich Mobilität den Talk Wie Städte die Mobilität der Zukunft gestalten von Stefan Kaufmann, der die Geschäftsstelle Digitale Agenda der Stadt Ulm leitet. Er betonte, dass die technologischen Voraussetzungen für eine echte Verkehrswende eigentlich schon längst da seien und dass es vor allem ausreichend politischen Willen benötige, um sie auch einzuleiten. Dabei ging er kritisch mit der Vorstellung ins Gericht, dass Technologie und Privatwirtschaft allein die Lösungen dafür schon entwickeln würden. Kaufmann wies darauf hin, dass Mobilität als Daseinsvorsorge in die öffentliche Hand gehöre und – ganz nebenbei gesagt – der öffentliche Nahverkehr auch die einzig sinnvolle Plattform zum Aufbau eines nachhaltigen, umweltschonenden und allen Mobilitätsbedürfnissen gerecht werdenden Verkehrssystems sein könne. Zum nachhören: (Link: https://19.re-publica.com/en/session/stadte-mobilitat-zukunft-gestalten).

Anschauen und anfassen konnte man übrigens auch die ersten funktionsfähigen E-Flugtaxis von Volocopter, die inzwischen reif für die Serienproduktion sind und deren Nutzung später nicht viel teurer sein soll als die eines normalen Taxis. Die Flugtaxis werden mit einer Elektro-Batterie angetrieben. Ähnlich wie bei E-Autos können sie nach Aufladung eine Reichweite von bis zu 300 km erreichen. Besonders wirtschaftlich ist der Taxibetrieb bei Wegstrecken von 30-40km, die innerhalb weniger Minuten zurückgelegt werden können. Das macht die Flugtaxis besonders sinnvoll, um schnelle, emissionsarme Verbindungen zwischen den verstopften Zentren von Großstädten und speziellen Umland-Destinationen herzustellen, für die keine regelmäßige ÖPNV-Verbindung lohnt oder geschaffen werden kann. Profitieren könnten davon etwa Wissenschaftscampi oder Industriestandorte im Umland, aber auch ländlich gelegene touristische Ziele. Der Testbetrieb soll noch in diesem Jahr in Singapur starten. Die ersten kommerziellen Strecken sollen in drei Jahren bedient werden. Aber wer weiß: Der Vortrag machte deutlich, wie schnell sich das Innovationsökosystem rund um die Flugtaxis entwickelt – gut möglich, dass wir die runden Volocopter schon früher als gedacht am Himmel sehen.

Digitale Verwaltung …

Ein Thema, dass dieses Mal insgesamt erstaunlich kurz kam. Aber Professor Peter Parycek stellte in seinem Vortrag Unregierbarer digitaler Staat einmal mehr die großen Potenziale einer datenbasierten Verwaltung dar. Durch die (Teil-)Automatisierung von Verwaltungshandlungen könnten Kosten gespart und staatliche Transparenz erhöht werden. Daten könnten an zahlreichen Stellen für eine evidenzbasierte Politik und Verwaltung genutzt werden und insgesamt breiten Nutzung von Daten durch Wirtschaft und Gesellschaft befördern. Voraussetzung dafür seien aber auch entsprechende technische und rechtliche Rahmenbedingungen und eine neue Verwaltungskultur, die Kooperation und Innovation ermögliche und fördere.

Digitale Bildung …

Total begeistert waren wir wieder einmal von den digitalen Bildungsprojekten, die auf der diesjährigen re:publica Station machten. So war etwa das Fabmobil des Constitute e.V., das schon auf der #rp18 zugast war, wieder dabei und berichtete in diesem Jahr von der Skalierung des Projekts im ländlichen Sachsen. In der Session ging es darum, wie sich aus mobilen Projektansätzen wie dem Fabmobil beständige Innovationsorte – hier Mikrofablabs genannt – im ländlichen Raum entwickeln lassen. Wirklich inspirierend, wie sich mit überschaubaren Mitteln und einem kurzen Projektzeitraum, so dennoch nachhaltige und spürbare Effekte in einer ländlichen Region erreichen lassen.

Neu dabei war diesmal der Turing-Bus der Open Knowledge Foundation. Ähnlich wie das Fabmobil ist auch der Turing-Bus ist ein Bildungsmobil, das in verschiedenen ländlichen Regionen Deutschlands junge Menschen in Workshops zu einer kritischen Auseinandersetzung mit der Digitalisierung der Gesellschaft bringt. Der Bus ist aber kein Informatiklabor auf Rädern, sondern bringt regionale Akteure und Akteurinnen aus Fablabs, OK–Labs, Hackspaces und anderen Orten des kreativen und kooperativen Lernens an Schulen und anderen Bildungsorten, um Aktionsräume- und Formate aufzuzeigen die zum Mitmachen inspirieren sollen. Derzeit tourt das Projekt durch Brandenburg. Die Termine findet ihr hier.

Spannend waren auch die Erfahrungsberichte einiger Veteranen der Medienbildung für Kinder und Jugendliche. Johannes Mirus zum Beispiel erklärte in seinem Talk Medienbildung für Kinder und Jugendliche, wie einfach es eigentlich sei, den Kids Medien und Digitales beizubringen. Mit wenig aufwendigen Barcamps und Projekttagen vor Ort könne man schon viel bewirken. Ein schöner Nebeneffekt, so Mirus, sei es, dass die Erwachsenen – z.B. Eltern, Lehrer, Erzieher oder Betreuer – dabei auch von den jungen Menschen lernen würden.

Dem wichtigen Thema Open Educational Resources (OER) widmete sich Dominik Theis in seinem Talk “Wie Bildung nicht digitalisiert werden sollte”. Er kritisierte, dass die Politik vor allem den Ausbau von Plattformen und die Ausstattung von Schulen mit Smartboards und WLAN vorantreibe, ohne dem die entsprechenden Qualifizierungsmaßnahmen für das Lernen im freien Netz an die Seite zu stellen. Stellvertretend für das Bündnis Freie Bildung machte Theis Vorschläge, wie freie Inhalte, offene Infrastruktur und Software für die Bildungslandschaft verwendet werden könnten.

Das IoP – Internet der Pflanzen…

….unsere Lieblingsinnovation auf der diesjährigen re;publica! Zugegeben – etwas abseitiger, aber dafür mit großen Aha!- und Oh!-Effekten. Worum es geht? Darum, dass eure Pflanzen, mit denen ihr schon länger Gespräche führt, dank neuer digitaler Tools vielleicht auch bald antworten können.

In Brandenburg kennen wir ja bereits die twitternde Kiefer im Barnim, die ihre Follower regelmäßig darüber informiert, ob ihr der Waldboden gerade zu feucht oder zu trocken ist. Was nach unterhaltsamer Datenvisualisierung klingt, ist ein echter Beitrag zur Waldbrandprävention. So werden Daten in Echtzeit verfügbar gemacht, die dem Naturschutz wertvolle Dienste leisten.

Auf der #rp19 haben wir nun festgestellt, dass unsere Kiefer lange nicht die einzige Pflanze ist, die dank Digitalisierung neue Kommunikationsmöglichkeiten mit der Menschheit gefunden hat. In der Session Im Auftrag des Waldes – Bekommen Wälder, Flüsse und Seen mit der Digitalisierung eine eigene Stimme? stellte das Team der Nachhaltigkeits-Plattform RESET Menschen vor, die mit neuesten Technologien digitale Lösungen für den Umwelt- und Naturschutz entwickelt haben. Meist handelt es sich dabei um smarte Schnittstellen zwischen Mensch, Natur und Technologie, die Wäldern, Flüssen und Seen eine eigene Stimme geben können. Ein Feld, das wir bei neuland21 schon aus purer Naturverbundenheit weiter intensiv beobachten werden…

… und nicht zuletzt: die neue Plattformwirtschaft!

Sehr präsent war auch das Thema “Neue Plattformen”. Denn im selben Maße, in der die Frustration der Netzgemeinde mit Facebook, Amazon, Uber & Co weiter zunimmt, wächst auch das Interesse an Plattformen, die im Vergleich zum Status Quo sozial gerechter, nachhaltiger, demokratischer oder genossenschaftlich organisiert sind. Auf der #rp19 stellten sich dazu die verschiedensten Akteure mit ihren Ideen vor. In der Session Plattformen, die allen gehören wurde zum Beispiel diskutiert, welches Ökosystem es braucht, damit auf Plattformen, die Dienstleistungen vermitteln, gerechtere und demokratischere Arbeitsbeziehungen geschaffen werden können.

Ganz ähnliche Fragen wurden auch auf der Bühne der Media Convention Berlin diskutiert, die dem Thema das Panel Designing Better Platforms widmete. Passend dazu gab es Workshops zur Ermöglichung von nachhaltigem Konsum durch digitale Tools und zu digitalen Genossenschaften. Wir bei neuland21 finden ja besonders solche digitalen Plattformen spannend, die Angebot und Nachfrage zwischen Stadt und Land besser zusammenbringen und so regionale Wirtschaftskreisläufe stärken. In den Workshops und Sessions konnten wir viele Anregungen sammeln.

Der Präsident muss es ja wissen.

Das aus unserer Sicht beste Fazit zog übrigens Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier noch in seiner Eröffnungsrede zur diesjährigen re;publica: Eindringlich forderte er “mehr Austausch zwischen der digitalen Zivilgesellschaft und den lange gewachsenen analogen Strukturen!” Das würden wir auch so unterschreiben. Und der Präsident muss es ja wissen nachdem er jetzt ein ganzes Jahr lang durch die ländlichen Räume unserer Re;publik getourt ist.

In diesem Sinne freuen wir uns schon auf die re:publica 2020 und hoffen den einen oder die andere von euch dort zu treffen!

 

Foto: Jan Zappner/re:publica

Gabriele Gruchmann

Gabriele Gruchmann

Wissenschaftliche Mitarbeiterin

Gabriele ist Regionalentwicklerin mit einem sicheren Gespür für nachhaltige Innovationen. Sie würde das Gras gern noch ein bisschen grüner, die Seen noch ein bisschen blauer und den ländlichen Raum noch ein bisschen bunter machen – damit er auch in Zukunft für alle lebenswert bleibt. Bei neuland21 erforscht sie urbane (und nicht so urbane) Dörfer und konzipiert Seminare und Workshops für ländliche Gründer. Gabriele hat Kommunikation an der Hochschule Osnabrück, Geographie an der Freien Universität Berlin und Regionalentwicklung und Naturschutz an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde studiert.

gabriele.gruchmann@neuland21.de